Die städtebauliche Entwicklung von Tel Aviv

Tel Aviv bzw. Tel Aviv-Yaffo (تل أبيب يافا‎ ,תל אביב-יפו) – so seit 1950 der offizielle Name der Stadt – ist eine vergleichsweise junge Stadt, die erst Anfang des 20. Jh. gegründet wurde. Die Anfänge der Stadt Tel Aviv liegen nördlich der damals noch eigenständigen Stadt Jaffa (heb. Yaffo).

Weisse Stadt Tel Aviv Neve Tzedek

Straßenszene in Newe Zedeq, März 2011

Ende des 19. Jh. begann eine erste große Einwanderungswelle von Juden in das damals von den Osmanen besetzte Gebiet desheutigen Staates Israel. Infolge der Einwanderung nahm der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Jaffa immer stärker zu.
Vor allem in der nördlichen Randlage Jaffas wurden kleinere jüdische Wohnviertel errichtet, in denen sich die jüdische Bevölkerung der Stadt konzentrierte. Vorangetrieben wurde dieser Siedlungsbau vor allem durch den jüdischen Mittelstand. Dessen Ziel bestand darin, eigene Häuser und Wohnviertel zu errichten um so allmählich eine schrittweise Unabhängigkeit zu erreichen. Zudem waren viele Menschen, insbesondere der Mittelschicht, bestrebt, den engen Gassen Jaffas, den schlechten sanitären Bedingungen der Wohnungen und den im Vergleich dazu hohen Mieten entkommen.
Die ersten, auf diese Initiative hin gebauten Viertel waren Newe Zedeq (נוה צדק, wörtlich: Stätte der Gerechtigkeit, gegründet 1887) und Newe Shalom (נוה שלום, wörtlich: Stätte des Friedens, gegründet 1890). 1909 wurde das Viertel Ahusat Bayit (אחוזת בית, frei übersetzt ungefähr „Inbesitznahme eines Hauses“) gegründet und nach den Plänen von Professor Schatz – der Gründer der Bezalel Kunstakademie in Jerusalem – gebaut. Insgesamt bestand die Siedlung aus sechsig Grundstücken.

Die Planung von Ahusat Bayit war stark von den Ideen der englischen Gartenstadtbewegung beeinflusst: Für jedes Haus war ein Garten vorgesehen, Gebäude mit öffentlichen Funktionen sollten im Zentrum der Siedlung inmitten einer Grünanlage stehen. Insgesamt wird die Bedeutung von Ahusat Bayit für die zukünftige Stadtgestalt Tel Avivs hoch eingestuft. Die Planung von Ahusat Bayit legte sozusagen die Grundlagen der zukünftigen Stadtplanung. Die Anlage der Straßen folge einer klaren Hierarchie: Die Hauptachse der Siedlung, die Herzl-Straße hatte eine Breite von zwölf, die Seitenstraßen eine Breite von zehn Metern. Die Baublöcke hatten eine durchschnittliche Größe von 500m², die Anordnung der Baukörper – es durften nur Einzelhäuser errichtet werden – war auf allen vier Seiten durch Baulinien vorgegeben. Noch heute sind nahezu alle Gebäude in Tel Aviv einzelstehend. Blockstrukturen, wie sie anderen Städten üblich sind, sind so gut wie nicht zu finden.

Ähnlich wie bei der Gründung von Newe Zedeq und Newe Shalom bestand auch bei der Planung von Ahusat Bayit das Ziel vorrangig darin, die als ungenügend empfundene Wohnsituation Jaffas durch eine moderne Bebauung zu ersetzen. Allerdings bestand zwischen der Errichtung von Newe Zedeq und Newe Shalom auf der einen und Ahusat Bayit auf der anderen Seite ein erheblicher ideologischer Unterschied: Während die beiden erstgenannten Siedlungen in erster Linie entstanden, um neuen, angemessenen Wohnraum mit dem Ziel einer gewiesen Unabhängigkeit bezogen auf die jüdische Identität der Bewohner zu schaffen, lag der Gründung von Ahusat Bayit von Anfang eine nationale Bestrebungen der zionistischen Bewegung zu Grunde. Ahusat Bayit galt vielen als eine Art Keimzelle eines zukünftigen unabhängigen jüdischen Staates. Die Entwicklung der Siedlung verlief rasant: bestand Ahusat Bayit in ihrem Gründungsjahr noch aus 65 Häusern, stieg ihre Zahl bis zum Jahre 1926 auf etwa 3000 Gebäude.

Die Gründung der Stadt Tel Aviv
Noch im Gründungsjahr von Ahusat Bayit wurden die drei jüdischen Siedlungen unter dem Namen Tel Aviv vereint. (Der Name bedeutet „Frühlingshügel“, wobei תל [Tel] genau genommen mit Schutthaufen oder Ruinenhügel übersetzt werden kann). Tel Aviv wurde als erste hebräische Stadt der heutigen Zeit zum Zeichen und zum Ursprung des nationalen Stolzes ohne jegliche Einflüsse durch bereits vorhandene Bebauung, wie das in Städten wie Jerusalem der Fall war. Das Streben nach einer eigenen, hebräischen Nation und einer eigenen hebräischen Identität sollte die Entwicklung der ersten hebräischen Stadt in den nachfolgenden Jahrzehnten vor allem architektonisch bestimmen. Gemäß der von Theodor Herzl entwickelten zionistischen Ideologie sollte im Land Israel eine neue hebräische säkulare Gesellschaft (in bewusster Abgrenzung zu der von den Zionisten als schwach und teilweise minderwertig empfundenen jüdischen Identität der religiösen Diaspora-Juden in den Schteteln Osteuropas, die regelmäßig Pogromen und Verfolgungen seitens der nichtjüdischen Mehrheitsbevölkerung ausgesetzt waren) entstehen; in Tel Aviv wurde sie Wirklichkeit. Vor allem nach der britischen Eroberung und Besatzung des Landes in Folge des ersten Weltkriegs im Jahre 1917 erwachte das nationale Bewusstsein der jüdischen Bevölkerung erneut (im Verlauf des ersten Weltkrieges hatten die Araber die Juden aus Ahusat Bayit vertrieben). Basis dieses Nationalismus war die Balfour Deklaration des Jahres 1917 sowie die immer stärker werdenden Einwanderungswellen in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina und die damit verbundene Notwendigkeit der Bewältigung derselben. 1921 erlangte Tel Aviv als eigene autonome jüdische Stadt die städtische Unabhängigkeit von Jaffa (vgl. Metzger-Szmuk 2004, S. 44).

Baustile der Anfangszeit

tel aviv nahalat binyamin

Gebäude in der Nahalat Binyamin Straße, März 2011

Die Architektur der ersten Gebäude entsprach der damals üblichen Architektursprache Europas, vermischt mit Einflüssen arabischer Baustile. Die Architekten der damaligen Zeit orientierten sich außerdem an den bereits existierenden jüdischen und deutschen Siedlungen im damaligen Palästina. Die Gebäude waren in der Regel ein- bis zweigeschossig und von einem Garten umgeben. Insgesamt dürfte Tel Aviv in seinen Anfangsjahren wenig urban gewirkt haben. Relativ schnell erkannten die Bauherren die Notwendigkeit einen Baustil zu finden, der dem neuen hebräisch-jüdischen Charakter besser entsprach, als die bereits vorhandene Bebauung. Um diesen spezifisch hebräischen Baustil zu finden, wurden die verschiedenen Gebiete der Kunst wie Malerei, Bildhauerei Literatur und Musik herangezogen. Daraus entwickelten sich drei Hauptstile: ein hebräisch-jüdischer traditioneller Stil, ein orientalischer Stil sowie ein eklektizistischer Baustil.

tel aviv rothschild av art deco

Gebäude im Art Déco-Stil, Sderot Rothschild Ecke Bezalel Yafe, März 2011

Der hebräisch-jüdische Stil arbeitete vor allem mit Zitaten aus der jüdischen Religion und Tradition in Verbindung mit orientalischen Einflüssen. Verwendung fanden beispielsweise Symbole wie Davidstern oder Keramiken mit den Namen der Zwölf Stämme Israels, welche als Schmuckelemente an den Fassaden angebracht wurden.
Der orientalische Baustil imitierte

Gebäude im Art Déco-Stil, Sderot Rothschild, März 2011

im Wesentlichen Bögen, Türme und kleine, spezifische Lüftungsfenster, die bei arabischen Gebäuden üblich waren. Daneben gab es den Trend, Gebäude im eklektischen Stil zu bauen, hier wurden bewusst Stilelemente der ost- und westeuropäischen Architektur wie Kuppeln, Säulen, Balustraden und Ornamente aufgegriffen und imitiert.
Letzterer Baustil wurde vor allem von dem Anfang der 20er Jahre populärsten Architekt und Städtebauingenieur Yehuda Magidowitch praktiziert; seine Gebäude stellten jedes für sich eine reichhaltige Sammlung an eklektizistischen Stilelementen dar.

Stadtplanung in Tel Aviv
Die Stadtplanung in Tel Aviv verlief bis 1920 relativ unkoordiniert. Jedes neue Viertel wurde mehr oder weniger isoliert geplant, der bereits vorhandene bauliche Kontext wurde wenig berücksichtigt. Selbst der Verlauf von Straßen, so Peter Bugod, sei nicht immer planerischer Logik, sondern oftmals heute nicht mehr nachvollziehbaren Entscheidungen gefolgt (vgl. Bugod S. 13).

Zudem wurde mit der Zeit damit begonnen, die Bebauung von Quartieren wie Ahusat Bayit zu verdichten: Die meist eingeschossigen Einfamilienhäuser wurden zunehmend durch zwei- bis viergeschossige Wohn- und Geschäftshäuser ersetzt oder zumindest aufgestockt. 1920 erkannte die Vereinigung der zionistischen Arbeiter, die Histadrut, die für die Verwaltung der jungen Stadt zuständig war die Notwendigkeit, einen umfassenden Masterplan für die weitere Entwicklung Tel Avivs zu entwickeln. Der Auftrag ging an den Architekt Richard Kauffmann. Seine Aufgabe sollte in erster Linie darin bestehen, einen Plan für den nördlichen Teil der Stadt zu entwickeln. Kauffmanns Planungen wurden allerdings nie als eigenständuger Plan umgesetzt. 1925 wurde der schottische Biologe, Botaniker, Soziologe und Stadtplaner Sir Patrick Geddes auf Empfehlung der britischen Mandatsregierung mit einer Neuplanung für Tel Aviv beauftragt, die Zusammenarbeit mit Kauffmann wurde beendet.

Sir Patrick Geddes gilt als Pionier einer modernen Stadtplanung, da er als einer der ersten Stadtplanung als interdisziplinäre Aufgabe verstand (als Botaniker, Biologe und Soziologe hatte er selbst ein breitgefächertes Fachwissen). Obwohl bereits zuvor in Zypern und Indien tätig, gelang es Geddes nur in Tel Aviv, seine fortschrittliche Vision einer modernen Stadt tatsächlich zu verwirklichen. Auch wenn der Geddes-Plan in modifizierter Form umgesetzt wurde, bleibt er dennoch ein herausragendes Beispiel einer fortschrittlichen, umfassenden und nachhaltigen Stadtplanung. Geddes Arbeit wurde von zionistischen Organisationen in Großbritannien und den USA in der Hoffnung, auf Grund des Bekanntheitsgrades von Geddes die Einwanderung vor allem wohlhabender Juden nach Palästina zu fördern, begrüßt und unterstützt. Tatsächlich verband Geddes die zionistische Ideologie mit der Gartenstadtbewegung. Seine Idee war es, “to reabsorb the Jewish People in their ancient homeland through forms of settlement that would root them in the soil through agricultural work and direct contact with nature.” (Metzger-Szmuk 2004, S.32).

Der Geddes-Plan

Geddes-Plan. Genau genommen handelt es sich um das Deckblatt des Geddes-Reports von 1925. Der Originalplan ist verloren gegangen. (Quelle: Metzger-Szmuk 2004, S. 30)

Einer der Grundzüge von Geddes´ Überlegungen war die Integration von Natur, Kultur und einem aktiven sozialen Leben innerhalb der Stadt. Geddes bezog sowohl die naturräumlichen Gegebenheiten, unter anderem das Klima, die Windrichtung, die Topographie als auch wirtschaftliche und vor allem soziale und spirituelle Aspekte der bereits vorhandenen und der zukünftigen Bevölkerung in seine Planung ein. Ein wesentlicher Unterschied zu den europäischen Gartenstädten kam hinzu: Die Gartenstädte in Europa waren räumlich begrenzte Einheiten. Tel Aviv dagegen sollte vielmehr als lebender Organismus verstanden werden, der sich stetig weiterentwickeln sollte. Der Plan musste deshalb eine Flexibilität aufweisen die es der Stadt ermöglichte, sich ausgehend von diesem Plan und vor allem auf dessen Basis weiterzuentwickeln. Die Grundzüge des Geddes-Plans bestimmen das Stadtbild und die Stadtplanung bis heute.

Obwohl sich Geddes sehr stark an der europäischen Gartenstadtbewegung orientierte bestand ein erheblicher Unterschied zwischen der Planung von Tel Aviv und den klassischen Gartenstädten. Die europäische Gartenstadtbewegung reagierte auf die schlechten Lebensbedingungen der industriell geprägten Kernstädte. Gartenstädte wurden als grüne Vororte geplant, die eine Verbindung der Stadtgesellschaft mit der Natur herstellen sollten. In Tel Aviv ging es aber nicht um eine grüne Gartenvorstadt, sondern um eine Erweiterung der bereits bestehenden Quartiere. Laut Geddes lag die Gartenstadt hier nicht vor den Toren einer vorhandenen Stadt, sondern die Kernstadt selbst wurde zur Gartenstadt (vgl. hierzu Metzger-Szmuk 2004, S. 33).

Die wesentlichen Merkmale des Geddes-Plans sind 1. eine Hierarchie der Straßen, 2. die sogenannten Home-Blocks, 3. öffentliche und private Gärten und 4. freistehende Baukörper.

1. Hierarchie der Straßen: Geddes legte parallel zum Mittelmeer ein Straßennetz von Hauptverkehrsachsen, sogenannten Main-Ways, in Nord-Süd-Richtung an. Der Handel sollte sich ebenfalls entlang dieser Achsen konzentrieren. In Ost-West-Richtung sah Geddes sogenannte Minor Roads vor. Minor Roads waren sowohl als breite Wohnstraßen als auch als den Main-Ways untergeordnete Verkehrsachsen gedacht. Die innerhalb des Netzwerks aus Main-Ways und Minor Roads liegenden Blockstrukturen – Geddes bezeichnete sie als Home-Blocks – sah er ebenfalls ein Wegenetz aus sogenannten Home-Ways vor. Die Home-Ways sollten so schmal und kurz wie möglich gestaltet werden, um einer Nutzung durch Kraftfahrzeuge vorzubeugen. Eine vierte Kategorie von Straßen oder besser von Wegen waren die Rose and Wine Lanes, die als reine Fußwege das Blockinnere mit den umgebenden Straßen verbinden sollten. Das Straßenraster der Main-Ways, Minor Roads und Home-Ways wurde entsprechend dem Geddes-Plan umgesetzt und ist noch heute im Stadtgrundriss ablesbar. Die Fußgängerwege innerhalb der Home-Blocks wurden bis auf drei Ausnahmen nicht realisiert.

geddes plan home block

Schema eines Home-Blocks, 1927

2. Home-Blocks: Die Home-Blocks, also die Baublöcke innerhalb des Straßenrasters unterschieden sich grundlegend von den Baublöcken beispielsweise europäischer Städte. Der Home-Block war sozusagen als eigene Miniaturvariante einer Gartenstadt innerhalb des Gesamtgefüges der Stadt gedacht: Ähnlich wie beim klassische Schema einer Gartenstadt sollte jeder Home-Block ein öffentlich zugängliches Zentrum bekommen. Diese Zentren sollten, eingebettet in öffentliche Grünanlagen, sozialen und religiösen Einrichtungen wie Kindergärten und Synagogen als Standort dienen. Jeder Home-Block sollte, so die Vorstellung von Geddes, individuell gestaltet, Wiederholungen vermieden werden. Dadurch sollte jder Block eine individuelle Identität erhalten. Jeder Home-Block sollte mindestens an einer Seite an eine der Hauptverkehrsachsen angrenzen. Die Home-Blocks sollten ein ruhiges nachbarschaftliches Zusammenleben abseits der großen Hauptverkehrsstraßen ermöglichen. Sie wurden – mit Ausnahme der oben erwähnten Rose and Wine Lanes – im Großen und Ganzen realisiert.

3. Öffentliche und private Gärten: Geddes´ Plan sah 60 öffentliche Gärten innerhalb der Home-Blocks vor. Realisiert wurden lediglich etwa 30 Gärten. Gründe sollen Schwierigkeiten beim Landerwerb bzw. nicht zustande gekommene Übereinkünfte mit den Grundstückseigentümern, was die Nutzung der Grundstücke anbelangt, gewesen sein (vgl. Metzger-Szmuk 2004, S. 38). Geddes legte ebenfalls großen Wert auf die Anlage von privaten Gärten. Letztere wurden ebenfalls realisiert, Tel Aviv ist vermutlich auch deshalb eine relativ grüne Stadt.

4. Freistehende Baukörper: Geddes sprach sich strikt gegen Terrassen- und Reihenhäuser nach dem Vorbild englischer und deutscher Gartenstädte aus. Als eine Art Kompromiss zwischen Einzelhaus und Reihenhaus favorisierte er, wie bereits Richard Kauffmann einige Jahre vor ihm, die Konstruktion von Doppelhäusern. Gebaut wurden später mehrheitlich Einzelhäuser, die insgesamt dem Ideal von Geddes´ Gartenstadt am ehesten entsprachen. Nahezu jedes Gebäude war auf diese Weise von einem Stück Garten umgeben, jeder Raum sollte so einen ungehinderten Blick ins Grüne haben. Geddes sah vor, dass die Grundstücksfläche bis zu einem Drittel überbaut werden sollte. Er übernahm dieses Maß von Ahusat Bayit. Später wurde die Grundflächenzahl, also das Verhältnis von Grundfläche des Baukörpers zur Grundstücksfläche bis auf 0,5 angehoben (d.h., dass die Hälfte der Grundstücksfläche überbaut werden konnte).

Entgegen den ursprünglichen Vorstellungen von Geddes sind viele Grundstücke heute relativ dicht bebaut

In der Praxis bedeutet das in vielen Fällen nicht den Blick ins Grüne, sondern auf das benachbarte Gebäude. Der Geddes-Plan enthielt keine konkreten gestalterischen Vorgaben für die zukünftige Bebauung. Allerdings sprach Geddes einige Empfehlungen aus. So war er beispielsweise der Ansicht, die Anzahl der Geschosse solle in reinen Wohngebieten  bzw. in den Wohnstraßen auf drei, in Mischgebieten, also entlang der Main-Ways, auf vier Geschosse begrenzt werden. Als in den späten 1930er Jahren zahlreiche Häuser auf Säulen errichtet wurden, erhöhte sich die Anzahl der zulässigen Geschosse jeweils um ein Vollgeschoss. Geddes wies mit Nachdruck darauf hin, die klimatischen Gegebenheiten bei der Planung von Gebäuden zu beachten. Die bisherige Architektur war stark von Nordeuropa beeinflusst. Zahlreiche Gebäude der Anfangszeit von Tel Aviv wurden mit schindelgedeckten Satteldächern versehen. Geddes empfahl sowohl Flachdächer als auch kleinere Fensteröffnungen. Obwohl Geddes den Internationen Stil bzw. die Moderne bei seinen Überlegungen außer Acht ließ, wurden die späteren Gebäude im Einklang mit seinen Empfehlungen realisiert.

Der Geddes-Plan wurde zwar erstmals 1927 von der Stadtverwaltung angenommen, nur vier Jahre später wurde jedoch ein leicht modifizierter Masterplan ausgearbeitet und bestätigt. Federführend bei diesem Plan 9 war der städtische Ingenieur Ya´acov Shiffman. Plan 9 orientierte sich sehr stark an dem Geddes-Plan. Während der Geddes-Plan einem Flächennutzungsplan ähnlich nur die Grundstruktur der zukünftigen Planung beschreibt, ist der Plan 9 wesentlich detaillierter. In erster Linie hebt Plan 9 die städtischen Gewerbezonen hervor, allerdings sind teilweise auch eine Parzellierung der Home-Blocks zu erkennen. Ebenfalls aus dem Jahr 1931 stammt der Tel Aviv Master Plan(תל אביב תכנית כללית), in dem die Home-Blocks, aber auch die geringen Abweichungen vom Geddes-Plan sehr gut zu erkennen sind. DieserPlan ist die farbige Ausarbeitung des Plan 9. Der Geddes-Plan bildete die Grundlage für die Erteilung von Baugenehmigungen, 1938 wurde schließlich der Plan 58, eine Neufassung des Geddes-Plans (תקון בתכנית גדס), als verbindliche Grundlage für die weitere städtebauliche Entwicklung Tel Avivs beschlossen.

Plan 9, 1931 (Quelle: Metzger-Szmuk 2004, S. 31)

Der auf Plan 9 basierende Tel Aviv Masterplan, 1931 (Quelle: Metzger-Szmuk 2004, S. 36)

Der modifizierte Geddes-Plan, der Plan 58, 1938 (Quelle: Metzger-Szmuk 2004, S. 37)

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